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Ausgabe 02/2019
Klimawandel

Kohlendioxid-Speicher Ozean       

Etwa ein Drittel des vom Menschen zwischen 1994 und 2007 freigesetzten Kohlendioxids wurde von den Meeren verschluckt. Insgesamt nahmen sie in diesem Zeitraum 34 Milliarden Tonnen des Treibhausgases aus der Atmosphäre auf, so ein internationales Forscherteam um Nicolas Gruber von der ETH Zürich im Fachmagazin „Science“. Zusammen mit den rund 118 Milliarden Tonnen, die laut früheren Studien seit vorindustriellen Zeiten bis 1994 aufgenommen wurden, sind bis 2007 also 152 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in den Ozeanen verschwunden.


Die Meere können große Mengen an Kohlendioxid aufnehmen  (Foto: Panthermedia)

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Die weltweiten Meere fungieren als Kohlendioxid-Senke: Das Gas löst sich in den oberen Wasserschichten und wird dann in größere Tiefen umgewälzt. Ohne diese Speicherfunktion der Meere wäre der Gehalt an Kohlendioxid in der Atmosphäre viel höher – und die Folgen in Form des Klimawandels vermutlich viel ausgeprägter.

Um die von den Meeren von 1994 bis 2007 aufgenommene Gas-Menge zu beziffern, bestimmten Nicolas Gruber und seine Mitarbeiter in verschiedenen Meeren die Kohlendioxid-Konzentration in unterschiedlichen Tiefen. Mit einer statistischen Methode errechneten sie aus der Gesamtmenge an gelöstem Kohlendioxid die Menge, die auf den menschengemachten Kohlendioxid-Anstieg zurückzuführen ist.

Das Meer sei noch nicht mit Kohlendioxid gesättigt, sagt Nicolas Gruber. Der Nordatlantik habe allerdings im Untersuchungszeitraum etwa 20 Prozent weniger Kohlendioxid gebunden als erwartet. „Das liegt wahrscheinlich an der schwächelnden nordatlantischen Umwälzpumpe Ende der 90er Jahre, die ihrerseits durch Klimaschwankungen verursacht wurde“, so Gruber. Dagegen sei die aufgenommene Menge im Südatlantik gestiegen. Ähnliche Schwankungen fanden die Forscher auch in anderen Meeresregionen.

In den Meeren selbst bleibt die Kohlendioxid-Aufnahme nicht ohne Folgen: Das Wasser wird immer saurer. „Unsere Daten zeigen, dass die Versauerung teils bis über 3000 Meter tief ins Innere der Weltmeere reicht“, sagt Gruber. Dies kann kalkbildende Meereslebewesen schädigen, etwa Muscheln und Korallen (siehe Energie-Perspektiven 2/2013). Kalkschalen oder -skelette können dann nicht mehr so gut gebildet werden oder sich auflösen.  

Anja Garms/bal


Originalveröffentlichung

Nicolas Gruber et al.: The oceanic sink for anthropogenic CO2 from 1994 to 2007. In: Science, Vol. 363, Issue 6432, 15. März 2019, Seite 1193-1199, DOI: 10.1126/science.aau5153



 

ETH Zürich