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Ausgabe 03/2018
Energiespeicher

Pumpspeicher untertage?       

Eine spezielle Folgenutzung der demnächst stillgelegten Zeche Prosper-Haniel haben Forscher der Universitätsallianz Ruhr, des Bergbau­betreibers RAG und des Ingenieurdienstleisters DMT im Auge: Die große Fallhöhe zwischen der Erdoberfläche und den unterirdischen Stollen und Schächten des Bergwerks ließe sich als unterirdischer Pumpspeicher nutzen (siehe Energie-Perspektiven 3/2016): Mit überschüssigem Strom würde Wasser aus der Tiefe in ein oberirdisches Wasserbecken gepumpt. Bei Bedarf flutet das Wasser zurück, treibt dabei Turbinen an und erzeugt Strom.


Aufbau eines unterirdischen Pumpspeicher-kraftwerks (Grafik: Uni Duisburg-Essen)

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Anders als bei bereits stillgelegten Anlagen ist der Zustand von Prosper-Haniel noch exakt bekannt. Eine Machbarkeitsstudie für einen 200-Megawatt-Speicher kam zu einem positiven Ergebnis. Weil die Schächte bereits existieren, wäre kein Eingriff in die Umwelt nötig; vier bestehende Zugänge zur Tiefe könnten genutzt werden. Als untertägiges Wasserreservoir wäre ein 15 Kilometer langer Ringspeicher neu zu errichten; das Oberbecken könnte mithilfe eines Schüttdamms entstehen. Der nutzbare Höhenunterschied von 600 Metern böte ein erhebliches energetisches Potential.

Wie alle Pumpspeicherwerke wäre jedoch auch ein unterirdischer Speicher in der aktuellen Marktsituation nicht wirtschaftlich, sagen die Planer und hoffen auf Marktänderungen oder energiepolitische Anpassungen. „Weltweit existiert keine derartige Anlage“, so das Autorenteam um Professor André Niemann in der Zeitschrift Mining Report Glückauf: „Die Anlage hätte somit eine weitreichende Sichtbarkeit im Kontext einer aktiven Gestaltung einer Bergbaufolge – unabhängig von der Region.“ Zu lange darf man allerdings nicht warten. Drei bis vier Jahre nach der Schließung von Prosper-Haniel ist alles zurückgebaut. „Die Zeit drängt“, sagt Professor Niemann im Online-Portal derwesten.de und kündigt für die nächsten Monate Verhandlungen zwischen Politik, RAG und weiteren Beteiligten an.  

imi