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Ausgabe 01/2011
Stromspeicher, Teil 4

Haushaltsgeräte als „Speicher“

Die Stromspeicherheizung, bislang als großer Energieverschwender gebrandmarkt, könnte bei zunehmender Nutzung erneuerbarer, unregelmäßig verfügbarer Energien wieder zu Ehren kommen: Zumindest starten jetzt RWE, Siemens und die tekmar GmbH hierzu ein Forschungsprojekt. Um den regenerativen Strom zu speichern, der von Wind oder Sonne auch in Zeiten geringen Verbrauchs erzeugt wird, werden fünfzig RWE-Kunden in Essen ein neues Lademodell erproben. Funkgesteuert fangen ihre Elektro-Speicherheizungen die fluktuierenden Ökostromspitzen auf.


Deutsche Windstrom-Ernte im Januar 2009 (Grafik: IfE/TUM)

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Bei dieser „Windheizung“, wie RWE sie nennt, sind die festen Ladezeiten der elektrischen Speicherheizung aufgehoben. Aus einer starren wird eine steuerbare Last, die den Strom dann aufnimmt, wenn er gerade im Überangebot vorhanden ist. Bis zum Ende der Heizperiode 2011/12 will man testen, ob dies zum Aufbau „intelligenter Stromnetze“ beitragen kann.

Weitere wichtige Bausteine hierfür sind „intelligente Zähler“, die erfassen, wann der Kunde Strom verbraucht (siehe Energie-Perspektiven 4/2009), und zeitvariable Stromtarife, die seit Jahresbeginn angeboten werden müssen: Der Strom ist teuerer, wenn eine hohe Nachfrage herrscht und billiger in Niedrigverbrauchszeiten. Die zeitvariablen Stromtarife der hundert größten Grundversorger hat jetzt das Verbraucherportal Verivox untersucht: Die Angebote sind bisher nicht wettbewerbsfähig, da sie von den Verbrauchern viel Aufmerksamkeit verlangen und ihr Einsparpotenzial nur gering ist. Im Schnitt 18 Euro pro Jahr ließen sich gegenüber herkömmlichen Grundversorgungstarifen bei 4000 Kilowattstunden Jahresverbrauch einsparen. Um mehr zu erreichen, müssen die Kunden ihr Verbrauchsverhalten drastisch ändern. Zehn Prozent des Stromverbrauchs in günstigere Zeiten verlagert, senkt die jährlichen Stromkosten um durchschnittlich 44 Euro.



Waschen wenn der Wind weht? (Foto: BilderBox)
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Dass die meisten Haushaltsgeräte als steuerbare Lasten nicht besonders tauglich sind, meint man auch beim Energieversorger Vattenfall: Wirtschaftlich sei dieses Lastmanagement nur bei Elektroautos, Wärmepumpen, Elektroheizungen oder Kälteanwendungen. Andere Haushaltsgeräte hätten zu wenig Potenzial, sagte Dr. Erik Landeck von Vattenfall Europa Distribution auf dem Kongress „Smart Renewables 2011“ in Berlin.

Maximal 2500 Megawatt, also drei Steinkohleblöcke, ließen sich durch die Steuerung der Stromnachfrage laut Kongressteilnehmer und RWE-Vorstandsmitglied Dr. Rolf Martin Schmitz in Deutschland einsparen – davon „vermutlich weniger als die Hälfte wirtschaftlich“. Und jenseits aller Ökonomie gibt er zu bedenken, dass es in Mehrfamilienhäusern nicht unproblematisch ist, nachts um drei Uhr die Waschmaschine laufen zu lassen: „Nicht jeder Nachbar verzichtet gerne auf seinen Nachtschlaf, nur damit auch das letzte Kraftwerk abgeschaltet werden kann.“

imi